Das Abenteuer mit Pinocchio war eine aufregende und – ich würde sagen – einzigartige Reise. Ich habe sie begonnen, im Bewusstsein, dass sie nicht einfach sein würde. Doch wie immer, wenn ich Sicherheiten hinter mir lasse, um mich dem Unbekannten zu stellen, wenn ich das, was mir vertraut ist, gegen das eintausche, was mir Angst macht – auch diesmal hat es sich absolut gelohnt!

Vor drei Jahren machte ich mich auf den Weg, indem ich Collodis Meisterwerk neu las – mit offenen Augen, offenen Ohren und aus vielen verschiedenen Blickwinkeln. Che sballo! würde Pinocchio sagen. Ich habe mich von allem inspirieren lassen, was über seine Abenteuer geschrieben, gesungen oder inszeniert wurde.

Schon früh wusste ich: Mein Pinocchio sollte ein Erzähltheaterstück für Erwachsene und für Kinder ab 10 Jahren werden. Kein Märchen im klassischen Sinn, sondern eine poetische, lebendige Auseinandersetzung mit der menschlichen Erfahrung. Ich stimme Manganelli und Eco völlig zu, wenn sie Pinocchio als Allegorie der menschlichen Existenz beschreiben – voller Versuchungen, Irrtümer, Reifeprozesse. Ein zutiefst menschlicher Weg.

Dann begann ich zu schreiben. Drei Mal fing ich komplett von vorn an. Nichts wollte passen. Je mehr ich schrieb, desto unzufriedener war ich. Ich muss gestehen: Ich bin selten wirklich zufrieden mit meiner Arbeit. Aber aus einem Buch mit 36 Kapiteln – voller Gesellschaftskritik, Identität, Moral, Freiheit und existenzieller Fragen – eine Bühnenfassung von 90 Minuten zu machen, ist wirklich kein Kinderspiel!

Nach einem langen Prozess des Sortierens, Verwerfens und Wiederfindens – nach unzähligen Notizen, Figuren, Fragmenten und Ideen – entstand schließlich mein Pinocchio. Eine Version, die sich vom Original löst und doch tief mit ihm verbunden bleibt. Sie spiegelt mich ganz und gar wider.

Dann kam die nächste Etappe: die szenische Arbeit – Rollen, Rhythmus, Erzählfluss, Musik. Letztere stammt aus der Hand von Christoph Diekmann, denn Musik ist nicht mein Fachgebiet. Die erste Zusammenarbeit mit Bernhard Bauer am Text und an den Figuren war sehr hilfreich, aber entscheidend wurde die Arbeit mit Angelika Pohlert, die half, Szenen und Dynamik des gesamten Stücks zu formen.

Mit jeder Probe wuchsen die Figuren und wurden ein Teil von mir. Manchmal überraschen sie mich sogar mit unerwarteten Wendungen. Aber Pinocchio bleibt meine absolute Lieblingsfigur! Voller Lebensfreude, leuchtend, unschuldig und frech zugleich – großzügig, neugierig, authentisch!

Und zu denken, dass er mich als Kind eher traurig machte! Und Lucignolo? Früher machte er mir Angst – sein ruheloses Umherziehen, seine Weigerung, Wurzeln zu schlagen. Heute sehe ich in ihm etwas ganz anderes: Mut. Ein tiefes Bedürfnis nach Freiheit.

Und bald …

Und bald geht diese Reise zu Ende:

In nur einer Woche wird Pinocchio „das Licht der Welt erblicken“.

Das ist die nächste Etappe dieser wunderbaren Reise – eine Reise, die mich auf verschiedene Bühnen und in verschiedene Städte führen wird, um euch 90 Minuten voller Energie, Lebendigkeit, Humor und Tiefe zu schenken.

Neunzig Minuten italienisches Lebensgefühl.

Ich kann es kaum erwarten!

Natürlich würde ich niemals behaupten, dass die Geschichte „fertig“ ist – im Gegenteil!

Die Geschichte wird erst mit dem Publikum auf der Bühne ihre wahre Form finden.

Denn ohne die Zuschauer – ohne ihr Zuhören, ihr Staunen und ihre Teilnahme –

würde sie nur eine Geschichte in der Schublade bleiben.

Ich freue mich riesig auf die Aufführungen!